Schluss mit Copy-and-Paste: Wie mittelständische Unternehmen ChatGPT vom Chatfenster zum Effizienz-Turbo machen
Mühsam tippen Sie immer wieder dieselben Aufforderungen in ChatGPT (https://t3n.de/tag/chat-gpt/)? Dann verschenken Sie jeden Tag Potenzial. Mit dauerhaften Anweisungen, Projektcontainern und maßgeschneiderten KI-Bausteinen verwandeln Sie die Oberfläche in eine skalierbare Arbeitsumgebung und gewinnen Zeit für das Wesentliche.
Von der Einzelanfrage zum strukturierten KI-System
Die meisten Teams nutzen Large-Language-Modelle so, wie man früher eine SMS schrieb: Prompt hinein, Antwort abholen, fertig. Für den privaten Gebrauch genügt das. In Unternehmen, in denen dutzende Meetings, Mails und Dokumente aufeinandertreffen, braucht es jedoch ein Setup, das Wiederholungen eliminiert, Kontext bewahrt und Routineaufgaben automatisiert. Genau hier liegen drei Funktionen von ChatGPT verborgen, die häufig unterschätzt werden:
1. Custom Instructions (globale Grundeinstellungen)
2. Projekte mit Kontext-Gedächtnis
3. Custom GPTs als spezialisierte Assistenten (https://shop.t3n.de/products/custom-gpt)
Wer sie kombiniert, baut sich Schritt für Schritt ein eigenes KI-Ökosystem.
1. Das Fundament: Dauerhafte Custom Instructions
Custom Instructions – in der deutschsprachigen Oberfläche unter „Personalisierung“ zu finden – sind nichts anderes als Ihr Steckbrief für die Maschine. Sie definieren einmalig, wer Sie sind, in welchem geschäftlichen Umfeld Sie arbeiten und welche Spielregeln für Antworten gelten. Ab diesem Moment fließt jede neue Konversation durch diesen Filter (https://t3n.de/tag/chat-gpt/).
Beispiel aus dem Mittelstand
Ein Komponentenhersteller aus Baden-Württemberg setzt auf ChatGPT, um technische Produktbeschreibungen ins Englische zu übertragen. In den Custom Instructions steht:
• Branche: Maschinenbau, Schwerpunkt Lineartechnik
• Zielgruppe: Einkaufsleiter und OEM-Entwickler in Nordamerika
• Sprache: Englisch, Tonalität sachlich-technisch
• Format: Tabellen mit Parametern, gefolgt von drei Bullet-Points „Benefits“
Ergebnis: Jede Übersetzung landet passgenau im Firmenstil, ohne dass Mitarbeitende erneut erklären müssen, wer sie sind. Das spart nicht nur Zeit – es minimiert auch Inkonsistenzen im Kundendialog.
Praxistipp
Je präziser Ihre Vorgaben, desto zuverlässiger der Output. Wer lediglich „Bitte höflich sein“ einträgt, wird kaum Qualitätsgewinne spüren. Definieren Sie daher Rollen („Du bist mein Lektor“), Stilregeln („Vermeide Füllwörter“), verbotene Begriffe und bevorzugte Quellen.
2. Ordnung und Kontext: Projekte als digitale Werkstatt
Während Custom Instructions global gelten, kapseln Projekte einzelne Vorhaben inklusive Dateien, Unter-Chats und projektbezogener Anweisungen. Man kann sie sich als intelligente Ordner vorstellen – mit dem Unterschied, dass das Sprachmodell den gesamten Inhalt versteht.
Typischer Anwendungsfall
Ein IT-Systemhaus plant die Einführung eines Wartungsportals für seine Kunden. Innerhalb eines Projekts „Service-Platform 2026“ legt das Team ab:
• Lastenheft, Roadmap-Excel, User-Journey-Diagramme
• Projektanweisung: „Nutze ausschließlich die hochgeladenen Dokumente, um User Stories abzuleiten“
• Mehrere Teil-Chats: „Persona-Analyse“, „Feature-Priorisierung“ usw.
Aktiviert das Team zusätzlich das „Project Memory“, darf jeder neue Chat innerhalb dieses Containers auf alle bisherigen Chatverläufe zugreifen. So bleiben Kernentscheidungen wie Budgetgrenzen oder Kundenzitate im Gedächtnis – ohne dass das Modell externe Informationen hinzuzieht. Für sensible Daten ist das ein entscheidender Governance-Vorteil.
Zusammenarbeit ohne Tool-Spaghetti
In Business- und Enterprise-Plänen können Kolleginnen und Kollegen direkt in das Projekt eingeladen werden. Sie sehen alle Notizen, nicht aber die privaten Chats anderer Mitarbeitender. Das reduziert Medienbrüche, weil kein Wechsel zu Dritt-Plattformen nötig ist.
3. Spezialisierte Assistenten: Custom GPTs
Custom GPTs heben die Nutzung auf eine neue Stufe. Statt ChatGPT lediglich zu „befragen“, konfigurieren Sie einmal einen Minibot, der eine eng umrissene Aufgabe übernimmt – beispielsweise das Prüfen von Lieferantenverträgen oder das Generieren von SEO-Snippets (https://shop.t3n.de/products/custom-gpt).
Fallbeispiel Marketing
Ein mittelständisches Softwarehaus publiziert wöchentlich Blogartikel. Ein Custom GPT „Content-Recycler“ bekommt drei Zutaten:
• Anweisung: „Extrahiere fünf Kernaussagen, verfasse daraus LinkedIn-Posts, erstelle einen Meta-Titel und eine Meta-Description.“
• Wissensbasis: Der gültige Styleguide im PDF
• Output-Schema: Tabelle (Kernaussage | LinkedIn-Post | Meta-Daten)
Der Clou: Das Modell lässt sich via Link teilen – etwa mit externen Agenturpartnern. So arbeitet jeder Beteiligte mit identischen Vorgaben und Ergebnissen.
Grenzen kennen
Custom GPTs und Projekte leben aktuell in getrennten Welten. Wer also innerhalb eines Projektcontainers einen Assistenten starten möchte, muss dessen Logik als Prompt importieren oder eine Automatisierung über Zapier & Co. einrichten. Dennoch lohnt sich der Aufwand, weil repetitive Workflows – Lektorat, Reporting, Code-Snippets – quasi per Knopfdruck skalierbar sind.
4. Welcher Hebel passt wann?
Fragen Sie sich vor jeder Aufgabe:
• „Soll das künftig immer gelten?“ → Custom Instructions
• „Ist das ein klar umrissenes Vorhaben mit mehreren Beteiligten?“ → Projekt
• „Wiederholt sich dieser Schritt ständig, unabhängig vom Projekt?“ → Custom GPT
Diese Reflexion verhindert, dass Sie Funktionen verwechseln oder parallele Strukturen aufbauen, die später Wartungskosten verursachen.
5. Integration in bestehende Prozesse
Ein leistungsfähiges Setup endet nicht bei ChatGPT. Entscheidend ist die Einbettung in Ihr Ökosystem – vom DMS über CRM bis hin zu Jira. Typische Szenarien:
• ChatGPT schreibt Meeting-Protokolle, die via API direkt in Confluence landen.
• Ein Custom GPT generiert Rechnungsentwürfe, die anschließend in DATEV geprüft werden.
• Projekt-Chats exportieren User-Stories im CSV-Format, die automatisch in Azure DevOps eingespielt werden.
Für mittelständische Unternehmen, in denen keine Abteilung allein für KI-Ops zuständig ist, empfiehlt sich ein klarer Ownership-Plan: Wer pflegt die Anweisungen? Wer verantwortet Datenklassifizierung? Wer dokumentiert Updates? Ein kleiner Governance-Leitfaden vermeidet Schatten-IT und erhöht die Akzeptanz bei Revision und Datenschutzbeauftragten (https://t3n.de/datenschutz/).
6. Sicherheit und Compliance nicht vergessen
LLM-Anwendungen verarbeiten naturgemäß Text, häufig sensibel. Bevor Sie interne Daten hochladen, klären Sie:
• Wie verschlüsselt der Anbieter die Daten bei Transfer und at rest?
• Werden Prompts zum Training genutzt? (Bei OpenAI: Nur mit Opt-in)
• Greifen US-Cloud-Gesetze wie der CLOUD Act?
Lösungen reichen von On-Prem-Installationen bis zu abgeschotteten Unternehmens-Workspaces. Wichtig ist, dass Technik und Rechtsabteilung frühzeitig zusammenarbeiten, damit kein Einsatz gestoppt wird, sobald das erste Audit ansteht.
7. Der Blick nach vorn: Ein KI-Ökosystem statt vieler Einzeltools
Langfristig wächst der Funktionsumfang rasant. Seit Ende 2025 ermöglicht ChatGPT beispielsweise Gruppenchats mit bis zu 20 Personen – ideal, um interdisziplinäre Workshops ohne Whiteboard abzuhalten, wie t3n-Autor Ralf Theil beschreibt (https://t3n.de/redaktion/ralf-theil). In naher Zukunft ist zu erwarten, dass Custom GPTs auch innerhalb von Projekten verschachtelt werden können und dass branchenspezifische Templates – etwa für Qualitätsmanagement nach ISO 9001 – entstehen.
Unternehmen, die heute ihre Grundstrukturen sauber aufsetzen, profitieren doppelt: Sie reduzieren den Aufwand mit jeder neuen Funktion und schaffen eine Wissensbasis, die unabhängig von Einzelpersonen funktioniert.
Wer ChatGPT nur als smartes Frage-Antwort-Fenster nutzt, behandelt die Technologie wie ein digitales Notizbuch. Erst durch das Zusammenspiel aus dauerhaften Anweisungen, projektbasiertem Kontext und spezialisierten KI-Assistenten entsteht ein System, das Skalierbarkeit, Konsistenz und Geschwindigkeit vereint – drei Faktoren, die im Mittelstand über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Mit einem strukturierten Setup verwandeln Sie ChatGPT vom Versuchsballon zum strategischen Werkzeug und schaffen Raum für strategische Entscheidungen statt Routineklicks.

